Feed on
Posts
Comments

ALEX UND DAVID

Heute wieder eine Geschichte aus meinem Buch “Achterbahn”.
Es wurde 1997 im Berufsbildungswerk Oberlinhaus gedruckt.

David liegt auf seiner Couch. Er denkt über sich und Alex nach. Seit dem Urlaub in Schweden ist ihm Alex sehr nah. Dessen Mitbewohner pocht auf ein Einzelzimmer. An Alex’ s Stelle möchte David nicht in der Gewissheit leben, dass er eine große Last für seinen  Zimmerkollegen sei. Für Menschen mit Muskelschwund ist so etwas eine besondere psychische Belastung und wirkt sich negativ aus.

Mit Alex hat David schon einmal zusammen gewohnt. Er möchte nun in den nächsten Jahren für ihn da sein. Das heißt, er schlägt vor, Alex solle zu David ins Zimmer mit einziehen. Wenn man die Einrichtung gut plant, geht das gut zu machen.

Außerdem hält David den Neid der Mitbewohner nicht mehr aus. Er hat sich deshalb mit Alex´ s Zimmer-Kollegen schon in den Haaren gehabt. Der mault. David wäre, was das Einzelzimmer betrifft, bevorzugt worden.

Sonja entsinnt sich, dass ihr Freund damals das Einzelzimmer bekommen hat, weil er nervlich am Ende war. Sich von Alex zu trennen, fiel David schwer. Zwei Monate vorher wollte Alex ausziehen und sich von einem Zivi zu Hause betreuen lassen. Nach vier Wochen Probe kam er wieder ins SINAI zurück. Man hatte sich inzwischen schon den Kopf zerbrochen, wer Alex´ s Bett belegen wird. Das hat David empört, weil noch nicht entschieden war, ob Alex wiederkommt. Zu Hause ist Alex auf einem Dorf. Er wäre vereinsamt, weil in der Nähe keine Werkstatt ist. Im SINAI hat er Freunde und geht in die Töpferwerkstatt arbeiten.

Damals sind innerhalb der Wohngruppe einige Zimmer-Ehen geschieden worden. Ein Umbelegungs-Chaos hatte begonnen.

 

David braucht in der Woche Zeit, um sich nach der Arbeit zu regenerieren. Er hat Kraft nötig, um am Wochenende für seine Freundin in guter Verfassung zu sein.

David hat zu Paul, dem Pfleger, einen guten Kontakt.

Sie werden zum Baumarkt fahren. David möchte unbedingt mit Alex gemeinsam einkaufen. Er will, dass sie beide zusammen das Zimmer gestalten: Strukturtapete und Platten für die Täfelung der Decke.

Hildegard und Pfleger, auch Bewohner, warnen David vor diesen Schritt. Sie sind alle ebenso besorgt wie seine Freundin. Alex ist schwerstbehindert. Er braucht umfassend Betreuung. In der Nacht muss Alex ein paar Mal gedreht werden. Seine Behinderung wird fortschreiten.

David lässt durchblicken, dass er selbst Zweifel hat. Doch er möchte zu seiner Entscheidung stehen.

 

 

Nicht jede Zeit
findet ihren großen Mann,
und nicht jede
große Fähigkeit
findet ihre Zeit

Jacob Burckhardt

Wer immer
mit dem Strom schwimmt,
darf sich nicht wundern,
wenn er irgendwann
im Ozean versinkt

                                                                                                            Susanne Kuhlmann

Hamlet mit Handy

Diesmal ging es NICHT um verzweifelte Versuche eines Theaterregisseurs, einem tausende Male gespielten Klassiker etwas Zeitgeist abzuringen. Der Einsatz des Mobiltelefons hatte sehr pragmatische Gründe und fügte sich im besten Sinne spielerisch ein in die neueste Inszenierung des Integrationstheaters Teufelssee unter Leitung von Axel Tröger. Der Potsdamer arbeitet seit über zehn Jahren im Haus der Begegnung mit Frauen und Männern zwischen 17 und 62 Jahren zusammen, deren Freude am Spiel nicht zu übersehen und zu überhören ist. Auch in der dritten Vorstellung am 22. April 2012 lässt ihr Eifer nicht nach, erfinden sie neue Nuancen, spielen sie, was sie fühlen. Ihre Behinderung spielt dabei keine Rolle

Jeder der zehn Darsteller geht ganz in seiner Figur auf. Kronen blitzen, Schwerter ebenso. Die Damen schreiten würdig in liebevoll verbrämten Samtkleidern einher. Auch Männerrollen werden sehr eindrucksvoll teilweise von Frauen übernommen. Theaterschminke verstärkt die Charaktere. Sparsam eingesetzte Requisiten lassen Raum, den es zu füllen gilt. Der Wortgewalt Shakespeares einen roten Faden in Minimalversion abzuringen, war sicher schon eine Herausforderung bevor die erste der vielen Proben beginnen konnte. Vor zehn Monaten war das und in den letzten Wochen vor der Premiere traf man sich sogar zweimal pro Woche. Bis zu vier Stunden wurde probiert.

Nicht nur der Text sollte sitzen, auch die Auf- und Abgänge, die Beleuchtung und die Spezialeffekte. Der Aufwand hat sich gelohnt. Davon konnten sich in drei Vorstellungen bisher mehr als 150 Zuschauer überzeugen. Einer von ihnen bekannte nach der Vorstellung lachend, jetzt habe er „Hamlet“ endlich mal verstanden.

Das Wesentliche dieses Abends aber waren nicht die 20 %, die nach Aussage des Regisseurs als Kurzfassung des Dramas vom Original übrig geblieben sind, sondern die Akteure. Gefördert durch die Deutsche Behindertenhilfe – Aktion Mensch e.V., unterstützt vom Paritätischen Sozial- und Beratungszentrum gGmbH, vom Hans-Otto-Theater Potsdam, von den Mitarbeitern des Hauses der Begegnung in der Potsdamer Waldstadt und durch großzügige Spenden prominenter Potsdamer wie Günter Jauch haben sie vor über zehn Jahren gemeinsam ein Projekt auf den Weg gebracht, das es verdient hat, beachtet und fortgeführt zu werden. Vielleicht kann „Hamlet“ auf Tournee gehen?

Dann wird er das Handy brauchen…….

23. April 2012

Elke Hübener-Lipkau

Potsdamer Neuste Nachrichten, Artikel vom Freitag, 04. Mai 2012

„Barrierefreie Angebote sind Mangelware“

450 Gäste beim Straßenfest zum Protesttag für die Rechte Behinderter / Mehr Geld für Straßensanierung

Innenstadt – Die Zahl der barrierefreien Gaststätten in Potsdam könne sie an einer Hand abzählen, zudem gebe es stadtweit nur zwei öffentliche Toiletten, die barrierefrei sind: „Bei der Kultur- und Freizeitgestaltung sind barrierefreie Angebote Mangelware“, kritisierte Selda Gültekin, die Vorsitzende des Potsdamer Behindertenverbandes e.V., am Rande des Straßenfestes für Menschen mit und ohne Behinderung. Und auch Jan-Peter Schmarje, der Vorsitzende des Behindertenbeirats der Landeshauptstadt, kennt genug Beispiele, bei denen Barrierefreiheit noch ein Wunschtraum ist: Das fange beim Stadthaus an, wo der Tram-Ausstieg für Rollstuhlfahrer ohne Hilfe nicht machbar ist – und Stufen im Rathaus selbst für Sehbehinderte nicht entsprechend gekennzeichnet sind. Oder bei den abgesenkten Bürgersteigen in der Innenstadt, die dann doch wieder zugeparkt sind, wie Schmarje kritisiert.

„Potsdam für Alle – Jede Barriere ist eine zu viel“: Unter diesem Motto hatten das Haus der Begegnung sowie Verbände, Vereine und Selbsthilfegruppen gestern gemeinsam zum bereits traditionellen Straßenfest vor dem Brandenburger Tor eingeladen – zum zehnten Mal gab es die Veranstaltung anlässlich des Europäischen Protesttages für die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Laut den Organisatoren kamen bis zum Abend rund 450 Gäste zu dem Fest mit Infoständen, Musik und Bühnenprogramm.

Der Weg zu einer behindertengerechten Stadt werde Schritt für Schritt gemacht, betonte die Sozialbeigeordnete Elona Müller-Preinesberger (parteilos). Sie verwies auf den gerade verabschiedeten Stadthaushalt: Darin seien die Mittel für die barrierefreie Straßensanierung immerhin von vorher 80 000 Euro auf nun 120 000 Euro erhöht worden. Aber Barrierefreiheit fange auch in den Köpfen an: Menschen mit Behinderung gehörten „mitten in die Gesellschaft“. Dass das noch nicht Realität ist, weiß Jan-Peter Schmarje vom Behindertenbeirat: „Die wenigsten haben die Vorstellung, dass sie ab morgen auch dazugehören könnten.“ In Potsdam lebten nach Stadtangaben zum Stichtag 31. Dezember 2011 20 187 Menschen mit Behinderung, davon 14 345 Schwerbehinderte. jaha

 

Wer drei Hasen nachjagt

Wer drei Hasen nachjagt,
wird keinen fangen

Serbisches Sprichwort

Wenn eine Frau dem Mann
reinen Wein einschenkt,
dann ist es bestimmt
eine Spätlese

                                                                                                           Peter Frankenfeld

SCHREI NACH EINEN AUFZUG

Heute wieder eine Geschichte aus meinem Buch “Achterbahn”.
Es wurde 1997 im Berufsbildungswerk Oberlinhaus gedruckt.

Wenn David mit seinem Elektro-Rollstuhl durch die Stadt fährt, dann zürnt es in ihm. Rollstuhlfahrer kommen wegen der Stufen in viele Geschäfte und Einrichtungen nicht hinein.

Es ist Montagnachmittag. Ein heißer Tag.

Die Arbeitsgruppe „Behindertengerechte Stadt“ hat sich getroffen. Zu Gast war eine Frau von der Bahn-AG. David fragt sich, warum sie überhaupt gekommen ist. Es ging um den Fahrstuhl am Bahnhof, auf den Rollstuhlfahrer sehnsüchtig warten. Hier halten sämtliche Regionalzüge. Schon vor drei Jahren wurde davon gesprochen, dass in den nächsten zwei Jahren ein Fahrstuhl gebaut werden soll. Diese Frau, die den Anwesenden eine eisige Kälte entgegenbrachte, – es waren 33 Grad im Raum! – erklärte, das noch kein Projekt gemacht wurde, und die Finanzierung sei überhaupt noch nicht geklärt. Außerdem sagte sie, es gäbe noch andere Bahnhöfe im Land.

David ist empört. Um in die Großstadt zu kommen, muss er dreißig Kilometer fahren.

Wenn man bedenkt, dass er jede Woche seine Freundin besuchen will, ist es für ihn eine Strapaze. David kann nur kurze Strecken laufen. Wenn er mit Sonja spazieren gehen möchte, braucht er seinen Elektro-Rollstuhl. Mit dem Behinderten-Fahrdienst ist das eine teure Angelegenheit. Die Frau von der Bahn-AG hätte draufgehabt, David vorzuschlagen,

- Na, suchen Sie sich doch eine Freundin vor Ort!

Ebenso tobte der Kampf um die Rampe am städtischen Postamt. Die Schalterhalle: unerreichbar für Rollstuhlfahrer.

Der Stein kam ins Rollen, als David das Problem dem „Eulenspiegel“ mitteilte.

Fünf Jahre hat David zusammen mit Freunden gekämpft. Ihnen wird wiederholt eingeredet, eine Rampe sei aus Platzgründen nicht zu realisieren. Als die Post modernisiert wird, hatten sie keine Platzangst mehr. Großzügig wurde für Rollis eine Rampe gebaut, damit sich der Kundenkreis erweitern könne. Die Postbank will doch mit Geld arbeiten.

Heutzutage nicht ungefährlich, das im Freien zu tun…

Übrigens: Gerade zu waghalsig ist es, wenn Rollstuhlfahrer auf den Bahnsteig hinaufgetragen werden müssen. Man will oder muss oft schnell am Ziel sein! Aber was hilft’ s!

Fahr Taxi

Fahr Taxi
und lass die Erben
laufen

H. P. Schober

Tatort

In einem kleinen bayerischen Dorf hat ein Bauer einen Bullen. Eines Tages ist der Bulle von Tölz im gesamten Dorf nicht zu finden. Der Bauer ruft den Polizeiruf 110 an.  Er wird gebeten gleich auf die Wache zu kommen. Seine Anzeige geht zum Staatsanwalt. Nach drei Tagen kommt die Spurensicherung von Wolffs Revier mit Kommissar Rex. Rex verliert im Wald die Spur. Die Fahndung wird Deutschland weit durch die Kommissarin eingeleitet. Derrick bietet seine Hilfe an. Die SOKO Leipzig macht noch einmal eine gründliche Spurensuche und findet im Stall einen Fleischerhaken. Der Metzger ist in den Urlaub gefahren. Nach seinen 3-wöchigen Urlaub ist er immer noch nicht im Lande. Die Dorfbewohner erzählten dem alten Kommissar, dass der Metzger wirtschaftliche Probleme habe. Für den Urlaub habe er sich von seinem Bruder Geld geborgt. Den Ermittlern werden Zusammenhänge klar. Sie kümmerten sich um einen Durchsuchungsbefehl der Metzgerei. Dort fanden sie einen geschlachteten Bullen. Zufällig ist Quincy in Deutschland. Er bietet sich an als Gerichtsmediziner zu arbeiten. Jetzt hat der Staatsanwalt das Wort. Die Kollegen von Kobra 11 und der Clown flogen dreimal täglich über Deutschland. Der Abschnitt 40 in Berlin hat einen Kleinbus von einer Fleischerfirma entdeckt. Es stellt sich aber heraus, dass der Besitzer dieses Kleinbusses auch Müller heißt. Drei Monate später übernahmen die Privatdetektive den Fall. Ein Fall für zwei. Sie hatten auch keinen Erfolg. Dieser Fall wird Aktenzeichen XY ungelöst übergeben. Trotz zahlreicher Hinweise aus der Bevölkerung konnte der Metzger nicht gefunden werden.

Older Posts »