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Elke Hübener-Lipkau

 

 Vorwort 

„Suche Deinen Reichtum in den Schwachen“

Diese Zeile eines Gedichtes von Rolf Gutsche ist eine der Lebensmaximen, nach denen der Fünfunddreißigjährige lebt, der mit spastischen Behinderungen geboren wurde.

Anders sein als die meisten, sich von ihnen unterscheiden, zieht immer die Aufmerksamkeit auf sich. Die ist selten freundlich. Rolf Gutsche kennt alle ihre unfreundlichen Äußerungen von der Abfälligkeit bis zur Demütigung. Daß er denen nie unterlegen ist, liegt daran, dass er sich selbst nie aufgegeben hat. Es hat zu Jun mit seinen Freunden. Es kommt von der Kraft seines Glaubens und der Stärke seines Willens, mit denen er seine körperlichen Schwächen immer wieder ausgleicht.
Was ein dauernder Vorgang ist, denn Nöte, Verzagtheit und Verzweiflung sind nicht mit einem Mal und dann für immer über­wunden. Dabei hilft vor allem das Schreiben. Für ihn heißt schreiben, mit dem Daumen der linken Hand Taste um Taste am Computer zu berühren, so Gedichte formend und Geschichten, heitere, traurige und freche.

Für Rolf Gutsche, dessen Aussprache von der spastischen Lähmung betroffen ist, heißt Schreiben, sich mitteilen können. Das tut er seit vielen Jahren, und seit er Mitglied des „Literaturclubs für Behinderte Potsdam“ ist, tut er das mit zunehmender Hingabe und Wirkung.

Rolf Gutsche lebt seit vierzehn Jahren im Oberlinhaus in Potsdam­-Babelsberg. Er, dem oft geholfen werden muss, wird nicht müde dort anderen zu helfen, die noch schwächer sind als er. Davon kommt Kraft meint er, die er für sich und seine Freunde braucht. Der geschei­te, die Sprache achtende und fleißige Rolf Gutsche wurde 1996 durch ein dreimonatiges Stipendium des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg unterstützt. Diese Zeit nutzte er frei von anderen Verpflichtungen, seine „Achterbahn“ nach mehrfachen Bearbeitungen noch einmal zu starten und zum Ziel zu bringen. Der Titel der Erzählung ist kein Zufall. Die Schwünge von oben nach unten und zurück, Druck und Fliehkraft der Bewegungen machen den Gang des bisherigen Lebens von Rolf Gutsche aus. Ein Stück seines Lebens ist in dieser Erzählung zu verfolgen. Es ist nicht sein Leben, wohl aber seinem verwandt.

Nach der Beteiligung an zwei Anthologien ist der Druck „Achterbahn“ Rolf Gutsches erste selbständige Veröffentlichung.

Nehmen Sie die mit Achtung auf. Die in ihr erzählten Gefühle und Gedanken gehen viele Menschen an.

 

März 1997                                                                                               Walter Flegel

 

 

rolfgutsche@yahoo.de